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Die heutige, allzu präsente Elektro- und Ravekultur zeichnet ein eigenartiges Bild unserer Gesellschaft. Sie macht sich das Modell des „zum-Wochenende-hin-Arbeitens“ zunutze. Unter der Woche wird einem langweiligen, unbefriedigenden Job nachgegangen, um dann das Wochenende in fabrikhallen-ähnlichen Diskotheken zu verbringen, ohne auch nur einen Sonnenstrahl bis zum Montagmorgen zu Gesicht bekommen zu haben. Diese letzten Tage der Woche werden außerdem mit der Einnahme von diversen Drogen unterlegt, denn in den stockdunklen Discos möchte man ja Alles, bitte nur nicht schlafen.  Nach einem durchzechten Wochenende heißt es dann Montags wieder zurück zur Realität. Eine Realität in der die depressive Verstimmung an der Tagesordnung steht und es noch schwerer macht die nächsten fünf Arbeitstage zu bewältigen, nur um sich am Wochenende wieder in eine Feier-Fabrik zu begeben.

Somit verbringt man nicht nur die Arbeitswoche eingeschlossen in einem Büro oder einem Werk, sondern wählt auch bewusst und nostalgisch der Zeit der Industrialisierung hinterhertrauernd, Fabrikgebäude…

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Die traurige Kapitulation des Esels – wie in der Konsumgesellschaft kognitive Dissonanz hervorgerufen und Depression zur Mode wird

Die heutige, allzu präsente Elektro- und Ravekultur zeichnet ein eigenartiges Bild unserer Gesellschaft. Sie macht sich das Modell des „zum-Wochenende-hin-Arbeitens“ zunutze. Unter der Woche wird einem langweiligen, unbefriedigenden Job nachgegangen, um dann das Wochenende in fabrikhallen-ähnlichen Diskotheken zu verbringen, ohne auch nur einen Sonnenstrahl bis zum Montagmorgen zu Gesicht bekommen zu haben. Diese letzten Tage der Woche werden außerdem mit der Einnahme von diversen Drogen unterlegt, denn in den stockdunklen Discos möchte man ja Alles, bitte nur nicht schlafen.  Nach einem durchzechten Wochenende heißt es dann Montags wieder zurück zur Realität. Eine Realität in der die depressive Verstimmung an der Tagesordnung steht und es noch schwerer macht die nächsten fünf Arbeitstage zu bewältigen, nur um sich am Wochenende wieder in eine Feier-Fabrik zu begeben.

Somit verbringt man nicht nur die Arbeitswoche eingeschlossen in einem Büro oder einem Werk, sondern wählt auch bewusst und nostalgisch der Zeit der Industrialisierung hinterhertrauernd, Fabrikgebäude zur Wochenendgestaltung. Dabei gilt, je mehr Beton, Stahl und Dunkelheit, desto besser. In dieser Welt sind Depression und die sie begleitenden Gefühle zur Mode geworden. Denn es gilt ebenfalls, je depressiver, desto cooler. Eine besonders gute Darstellung der von Depression begleiteten Elektro-Kultur, kann man an der Fotostrecke „Depressed DJs“ (Link: http://depresseddjs.tumblr.com/) sehen. Nur ein einziges kleines Lächeln auf den Abbildungen würde den DJ sofort aus der Fotostrecke heraus katapultieren.

An dieser Stelle könnte man sich Fragen, was diese Bewegung zu bedeuten hat. Ist sie ein Hilfeschrei und soll die Gesellschaft aufrütteln, oder ist sie bloße Kapitulation vor der Gesellschaft und ihrem System?

Als wirklich gesellschafskritisch kann man das Ganze leider nicht bezeichnen, wird sich doch am Wochenende, an dem man Zeit zum Nachdenken hätte, schlichtweg betäubt. Bloße Kapitulation kann es hingegen auch nicht sein, da die Feierei halbwegs mit Spaß verbunden sein sollte. Vielmehr geht es um den Abbau kognitiver Dissonanzen. Dissonanzen, die in unserer heutigen Gesellschaft, immer schwerer zu überwinden sind.

Während unserer Arbeit, aber auch während unserer Freizeit können zahlreiche kognitive Dissonanzen auftreten, die es gilt ins Gleichgewicht zu bringen. Die Unvereinbarkeit unserer Einstellungen und Verhaltensweisen erzeugt einen Zustand innerer Spannung, der als äußerst unangenehm empfunden wird.

Konsumgesellschaft und Globalisierung tragen in einem Wechselspiel dazu bei diese Spannungen aufrecht zu erhalten. Beispielsweise sind Zusammenhänge bei unseren Kaufentscheidungen so komplex, dass man sich nicht wirklich sicher sein kann, ob man mit dem Kauf eines Produktes, eine nachhaltige, mit den eigenen Einstellungen übereinstimmende, Entscheidung getroffen hat. Zusätzlich, werden wir von einer dissonanzen-erzeugenden Werbung manipuliert. Wir sollen so viel wie möglich Essen, die Lebensmittelindustrie will schließlich ein Wachstum am Ende des Jahres vorweisen. Andererseits, sagt uns die Modeindustrie, dass wir in Kleidergröße 0 passen müssen. Fressen aber trotzdem abnehmen und schlank sein? Wenn das keinen inneren Widerspruch hervorruft. Da bleibt nur noch das Diätprodukt. Andererseits sollen wir auf Nachhaltigkeit bedacht sein, aber am Besten zweimal im Jahr unseren Kleiderschrank wechseln und die alten Sachen entsorgen. Denn die Mode ändert sich mittlerweile jede Saison und damit mindestens zweimal im Jahr. Und das war’s dann eben auch schon mit der Nachhaltigkeit. Ebenso sollen wir Benzin sparen, aber einen X7 im Stadtverkehr fahren, obwohl die Erdölvorräte an ihren Grenzen sind und in chinesischen Großstätten das Tragen einer Atemmaske bereits „à-la-mode“ ist.

Wir werden dazu angestachelt zu verschwenden und wegzuwerfen. Viele Produkte sind genau dafür konzipiert. Billige Herstellung und schlechte Qualität zum Wegwerf-Tarif. Das Ikea-Regal oder der Zehn-Euro-Toaster sind preiswert genug um gekauft zu werden. Ist das Produkt allerdings nach kurzer Zeit kaputt, lohnt sich die Reparatur selten. Lieber wird zu einem neuen Produkt gegriffen. Selbst wenn der Fall bestünde, das das alte Produkt noch einwandfrei wäre, würde uns suggeriert werden, dass unser Lebensglück vom Kauf des neuen Produkts abhängt. Damit wird natürlich eine Unmenge von Müll produziert. Zumindest ist das Unternehmenswachstum mit diesem Modell gesichert, ebenso wie die Arbeitskraft. Um uns diesen ständigen Konsum finanzieren zu können, müssen wir schließlich Arbeiten. Damit schließt sich der Kreislauf und wir stehen als typischer Esel, einer angebundenen Karotte hinterherlaufend, da. Noch dazu badet sich dieser Esel in seinen Dissonanzen, die zwischen seinem verschwenderischen Verhalten und seinen Einstellungen zur Nachhaltigkeit bestehen sollten, denn die Wahl zur Nachhaltigkeit scheint leider noch unerreichbar.

esel

Somit fühlt man sich als Spielball der Unternehmen und das ohne Aussicht auf Besserung. Wer kann es da der jüngeren Generation schon vernehmen, wenn sie sich am Wochenende bei donnernder Musik in einem, einer Fabrikhalle ähnelnden, dunklen Gebäude versteckt? Viele Mittzwanziger, die noch eine Lebenserwartung von mindestens fünfzig weiteren Jahren haben, wissen sich anscheinend nicht anders zu helfen. Denn was in den nächsten fünfzig Jahren auf uns zukommt, will man am liebsten vergessen, weil es genauso schwer zu akzeptieren wie abzuwenden ist. Welche großen Chancen hat diese Generation schon ohne einen baldigen Wandel? Sie hat die Möglichkeit zu versuchen – auch dies ist auf keinen Fall sicher und nur für einen kleinen Teil der Fall – mit einer guten Ausbildung einen Job zu bekommen. Dann mit einen guten Job kommt man dem Unternehmenswachstum am besten zu gute, wenn man nicht nur als treue, aufstrebende Arbeitskraft zur Stelle ist, sondern auch bereit ist, das schwer verdiente Geld in Form von Konsumgütern wieder auszugeben, deren Produktion, Kauf und Entsorgung die  Vernichtung unseres Planeten sichert, auf dem wir aber noch die nächsten fünfzig Jahre leben müssen. Somit verbringt die Jugend zuletzt auch das Wochenende am liebsten in heruntergekommenen, dreckigen Fabrikhallen. Vielleicht ist dies keine Nostalgie, sondern man will sich aus Hilflosigkeit schon einmal an das uns Bevorstehende gewöhnen. Man könnte somit letztendlich doch von Kapitulation sprechen.

Wo findet man seinen Platz in dieser Welt, wenn man sich nicht manipulieren lassen will? Nicht dieser Konsumgesellschaft nacheifern will? Und nicht dieses mutierte System unterstützen will? Wie will man einen Sinn in dieser Gesellschaft finden, wenn doch am Ende alles nur dazu beiträgt diesen Kreislauf zu schließen, der aber allzu lange so nicht mehr tragbar sein kann? Wer kann einem da schon die Kapitulation und ein depressives Gesicht als neues Modeaccessoir übel nehmen…

Auf Wiedersehen liebe Authentizität! …und aufgesetzt wird die Business-Maske

Schon am Abend zuvor wird das Hemd/die Bluse fein säuberlich gebügelt und das Unternehmensprofil genauestens studiert, denn man möchte am nächsten Tag einen perfekten Eindruck hinterlassen. In Bewerbungsgesprächen für gehobene Positionen bei Großunternehmen will man sich natürlich von seiner besten Seite zeigen. Am folgenden Tag sollte dann nicht nur das äußere Erscheinungsbild stimmen, sondern auch der Lebenslauf glänzen. Im Internet findet man unzählige Anleitungen zur Optimierung des Lebenslaufs, oder zur Vorbereitung auf das bevorstehende Bewerbungsgespräch. Kurz: Wie verkaufe ich mich am Besten? Oder doch: Wie verleugne ich mich selbst am Besten?

In jungen Jahren verbringen wir viel Zeit damit zu reifen und unsere Persönlichkeit zu formen. Es wird viel ausprobiert und man weiß nicht genau wohin man gehört. Man fühlt sich mal zur einen, mal zu einer anderen Gruppe zugehörig. Mit der Zeit jedoch, müssen wir uns nicht mehr verbiegen, sondern finden unsere wahren Interessen und Einstellungen. Im besten Falle, können wir nun endlich authentisch sein. An diesem Punkt angelangt, sollen wir nun wieder einen Schritt zurück machen. Denn im Arbeitsleben gilt es der standardisierten, seriösen Business-Etikette folge zu leisten und uns entsprechend anzupassen. Unsere hart erkämpfte Authentizität und Individualität legen wir an der Eingangsschwelle zum Dienstgebäude ab, ganz so, wie es von einer gut funktionierenden „Human“-Ressource erwartet wird.

Erich Fromm stellte diesen Seelen-Verkauf in seiner Interpretation von Marx’ Frühschriften, schon 1982 wie folgt dar:

„Wenn irgendwer, dann ist der Angestellte, der Vertreter, der Manager heutzutage sogar noch entfremdeter als der Facharbeiter. Das Wirken des letzteren ist noch abhängig vom Ausdruck gewisser persönlicher Eigenschaften wie Geschicklichkeit, Zuverlässigkeit usw. und er ist nicht gezwungen, seine ‚Persönlichkeit’, sein Lächeln, seine Meinungen im Vertrag mit zu verkaufen; die Leute, die Symbole manipulieren, werden hingegen nicht nur wegen ihrer Geschicklichkeit gemietet, sondern wegen all dieser persönlichen Eigenschaften, die sie zu ‚attraktiven Persönlichkeitstypen’ machen, die leicht zu behandeln und zu manipulieren sind.“ FROMM, Das Menschenbild bei Marx; S. 59

Schon in der Schule und im späteren Studium wird alles daran gesetzt uns zu „attraktiven Persönlichkeitstypen“ zu formen. Passen wir unsere Meinungen und Schlussfolgerungen nicht an die bereits festgesetzten Anschauungen unserer Lehrer oder Professoren an, haben wir schlechte Karten eine gute Note zu bekommen, oder gar das Fach zu bestehen. Später werden keine Noten mehr vergeben, aber wir fürchten uns, unsere Meinung – sofern wir noch eine haben – preiszugeben. Wir wissen, dass das Nachplappern der Ansichten unserer Lehrer oder Vorgesetzen uns einen Stufe weiter bringt. Sei es auch nur die nächste Stufe zum Olymp der Heuchelei.

Um ja nicht aus der Reihe zu tanzen, bleibt die eigene Meinungsbildung Mangelware. Wir müssen uns anpassen um in eine bestimmte Schublade zu passen. Dabei es ist nur menschlich, dass wir Personen in Kategorien einteilen. Es  hilft uns eine sehr komplexe, unberechenbare Welt, vereinfacht wahrzunehmen. Leider geht bei dieser radikalen Einordnung ein sehr großer Anteil an Information über das stereotypisierte Individuum verloren. Information, die in unserem festgefahrenem Denken keinen Platz hat.

Wenn wir uns heutzutage auf eine Stelle bewerben fängt der Informationsverlust bereits beim Eintragen unserer Daten in den Online-Bewerbertool des Unternehmens an. Man soll vorgefertigte Felder ausfüllen, die für den Ausdruck der eigenen Individualität kaum Raum lassen. Trotz äußerst geringer verfügbarer Information über das Individuum, wird hier bereits eine Vorauswahl getroffen. Weiter geht es schließlich mit standardisierten Testverfahren und dem Bewerbungsgespräch, das ebenfalls auf den immer wieder gleichen Fragen basiert und vom befragten die immer wieder gleichen Antworten fordert. Hierbei ist es kaum möglich einen Gesamteindruck von der Person zu bekommen. Ein Individuum in seiner Ganzheit zu erfassen, würde erstens zu viel Zeit in Anspruch nehmen und zweitens wird nur nach einem bestimmten Persönlichkeitstyp gesucht. Nämlich dem funktionierenden Ja-Sager Angestellten, im gebügelten weißen Hemd, aber einer Gesichtsfarbe, die seinem grauen Anzug in nichts nachsteht.

Auf diese Weise produziert unsere Gesellschaft den charakterlosen, einförmigen Angestellten der einfach in die Unternehmenshierarchie einzugliedern ist und unter dem Druck seinen Job zu verlieren zu Allem „Ja“ und „Amen“ sagt. Doch leider liebe Unternehmen, waren es nie die Mitschwimmer, die Großes vollbracht haben. Vielleicht sollte man daher nicht nur in den Schubladen der Kommode nach einfältigen Mogelpackungen suchen, sondern auch mal ein Auge auf den werfen, der sich traut im knallroten Anzug neben derselben Kommode zu tanzen.

Es ist bedauernswert, dass immer mehr standardisiert wird. Die Standardisierung soll uns Sicherheit geben. Doch gibt sie uns diese wirklich? Bezüglich Produkten kann man diese Frage bejahen. Auf ein standardisiertes Produkt können wir uns in sofern verlassen, als dass es genau die gleiche Beschaffenheit wie alle anderen Produkte der selben Art besitzt. Was für Produkte gilt kann aber auf menschliche Wesen nicht zutreffen. Wenn wir nicht mehr authentisch sein dürfen, heißt das, dass wir keine Originale mehr sein dürfen. Daraus folgt, dass wir zu einer Fälschung oder Imitation werden.

Anfangs tragen wir die Maske vielleicht nur, doch später sitzt sie so fest, dass wir sie kaum noch abnehmen. Eine Maske mag zu Karneval ihren Sinn haben, aber unser ganzes Leben als Imitat zu verbringen sollte nicht unser Ziel sein, denn Fälschungen waren noch nie „à-la-mode“.

Wenn ich groß bin werde ich Feuerwehrmann! – Müssen wir einen einzigen Beruf wählen und uns dann über diesen definieren?

Kleine Kinder werden nur zu oft gefragt, was sie einmal werden wollen. Meist wissen sie es in jungem Alter bereits und beantworten die Frage zum Beispiel mit „Feuerwehrmann!“. Diese Vorstellungen ändern sich später natürlich gewaltig. Einerseits, da dem späteren Jugendlichen das genaue Berufsbild vor Augen geführt wird und seine Vorstellungen nicht mehr mit diesem übereinstimmen, andererseits weil uns Möglichkeiten eröffnet werden, die uns im Kindesalter noch verborgen sind. Es wird eher rationaler überlegt für welchen beruflichen Werdegang man sich entscheiden will.

In unserer westlichen Gesellschaft definiert man sich hauptsächlich über seinen Beruf. Die Frage nach dem „Wer bin ich?“ ist an sich vollkommen irrelevant, denn der Beruf sagt vermeintlich alles über die Person aus. Es wird ein bestimmter beruflicher Weg eingeschlagen, welcher letztendlich zielstrebig verfolgt wird. Später kann man Aussagen über die eigene Person machen, die sich am ausgeübten Beruf orientieren.

Doch muss man sich wirklich in diese Schiene drücken lassen? Das Leben ist voll von Möglichkeiten. Unser Gehirn lässt uns die Möglichkeit des lebenslangen Lernens. Wäre es somit nicht viel sinnvoller und vor allem interessanter immer wieder Neues zu lernen? Sich immer wieder über neue Erfahrungen definieren und somit seinen Horizont und seine Fähigkeiten erweitern zu können, um somit die Frage nach dem „Wer bin ich wirklich?“ auch zufriedenstellend beantworten zu können?

Der indische Philosophieprofessor Osho beantwortet diese Fragen wie folgt:

„Das Leben sollte multidimensional sein, nur dann hat es Bedeutung. (…). Das ist auch so ein Problem: Jemand wird Ingenieur und denkt, damit sei alles geregelt. Er ist damit identifiziert Ingenieur zu sein. Dann wird er sein Leben lang nur Ingenieur sein – obwohl es Millionen von Dingen gibt, die er tun könnte, doch er fährt nur noch eingleisig. Dann wird er sich anfangen zu langweilen und es reicht ihm (…) was für ein Sinn kann darin liegen?“ OHSO, Kreativität; S. 228

Allerdings scheint es so, also müssten wir Spezialist auf einem bestimmten Fachgebiet werden. Schön und gut, natürlich kommt einem Unternehmen eher ein Spezialist zugute, als jemand mit zwar breitgefächertem Wissen und zahlreichen, aber oberflächlicheren Fähigkeiten. Doch würde Letzteres nicht nur den Vorteil eines breiteren Horizontes mit sich bringen, sondern auch mehr Kreativität, durch das Wissen um die Kombination vielfältigerer Faktoren zu individuellen Lösungsstrategien.

Der Mensch als Gewohnheitstier, sucht nach einem stabilen Arbeitsumfeld, findet im besten Falle ein Gebiet das ihn interessiert und wird Spezialist. In seinem Arbeitsumfeld bleibt er dann, nicht nur aus Gewohnheit, aber auch aus Angst vor Neuem, oder davor auf anderen Gebieten eventuell zu versagen. Somit bleibt ihm Vieles verschlossen, aber er hat auch kaum eine andere Wahl. Auf dem Arbeitsmarkt werden Spezialisten mit Arbeitserfahrung gesucht. Dennoch: Wie sollen diese wirklich kreativ sein und sich all ihrer Fähigkeiten bewusst werden? Mit einer 40-Stunden Woche, oder mehr bleibt nicht viel Zeit, sich wirklich auf andere Interessen zu konzentrieren. Wir werden letztendlich zu Fachidioten mit einem geradlinigen Lebenslauf.

Doch gerade ein Slalomlauf erlaubt uns, mehr über unsere Interessen und Fähigkeiten herauszufinden. Er erlaubt uns auszuprobieren und uns selbst kennenzulernen, um dann klar unsere Ziele definieren zu können, oder sogar unsere Interessen noch vielfältiger werden zu lassen. Jedoch gerade die Erwartung an uns, nur einen Weg einzuschlagen und diesen einen zu verfolgen, nimmt uns die Möglichkeit unsere Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Wir werden in eine berufliche Schiene gedrückt. Den Zug auf den wir gesprungen sind, verlassen wir dann selten wieder, denn wir definieren uns über unsere berufliche Laufbahn. Wir sehen uns konfrontiert mit zahlreichen Möglichkeiten, müssen uns aber doch für eine entscheiden.

Letztendlich ist es dann schwer zu sagen, ob wir den für uns wirklich wahren Weg eingeschlagen haben. Wir haben nur einen kennengelernt und gewöhnen uns schließlich insoweit an unsere Rolle, dass wir uns überhaupt keine andere mehr vorstellen können. Wir identifizieren uns über diese eine Rolle, wobei so viele mögliche Erfahrungen verloren gehen. Am Ende hätten wir dann doch einfach Feuerwehrmann werden können.

Abschiede – wie die wachsende Oberflächlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen Erleichterung bringt

 

Abschiedsparties, Abschiedsessen, Abschiedsgeschenke, Abschiedskarten. Die Abschiede hören nicht auf. Sie werden immer häufiger und häufiger, allerdings auch von Mal zu Mal erträglicher. Aber warum?

Mit der voranschreitenden Globalisierung und den vielfältigen Möglichkeiten der kosmopolitischen mitzwanziger Generation stellen Auslandsaufenthalte keine Besonderheit mehr dar. Es wird durch die Welt gezogen mit dem ständigen Wunsch neue Erfahrungen zu sammeln, seinen Lebenslauf aufzupolieren oder einem verlockenden Jobangebot nachzugehen. Dieses Nomadenleben wird unterstrichen von einer Überflutung neuer Eindrücke und Bekanntschaften, die sich meist äußerst kurzlebig gestalten und schließlich nur als trauriger Nachlass in der Facebook-Freundesliste zurückbleiben.

Dank unserer schnelllebigen Gesellschaft ist es uns häufig überhaupt nicht mehr möglich tiefergehende zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Wir wissen eben doch tief in unserem Inneren, dass eine der beiden Parteien sich bald wieder auf den Weg in die große weite Welt machen wird und nun wieder einmal eine Abschiedsparty ansteht. Mit jedem Abschied wird es leichter, denn eine innige Beziehung zu der anderen Person wird selten noch zugelassen. Man weiß, dass man sich bestimmt sehr bald wieder auf eine neue, letztendlich belanglose Bekanntschaft einlassen wird.

Unser soziales Umfeld befindet sich in einem ständigen Wachstum, selbst wenn der Großteil desselben meist nur einen virtuellen Charakter annimmt. Durch neue Technologien können wir Kontakt mit Menschen auf der ganzen Welt knüpfen und halten. Dadurch schaffen wir uns somit schnell ein großes, virtuelles soziales Netz. Was Mark Zuckerberg noch ins Leben gerufen hatte um virtuelle Freundschaften zu schließen, da er keine realen hatte, ist mittlerweile Gang und Gäbe geworden. Aus diesem Grunde sind einerseits die Abschiede leichter, da man über das Internet in Kontakt bleiben kann, andererseits wird der Einzelne auch nicht mehr so wichtig genommen sondern taucht ab im Meer der vergessenen „Freunde“, die zu bloßen Facebook-Bekanntschaften geworden sind.

Am Ende lässt uns die Art der zwischenmenschlichen Kommunikation über das Internet, zwar mit vielen Bekanntschaften, aber wenig Freuden zurück. Dies vor allem auch, weil man nicht nur selbst weiß, dass man sehr schnell wieder einen neuen oberflächlichen Austausch mit einer Person eingeht, sondern auch der Gegenüber sich dessen bewusst ist. Daher wird dieser höchstwahrscheinlich auf die gleiche Weise handeln. Schließlich bleibt eine bestimmte innere Leere zurück, wenn man sich nach dem Abschied wieder vor seinen Computer begibt. Aber eben auch nur das, Leere. Denn emotional hatte man ja nie wirklich etwas investiert.

Somit treten neue Personen in unser Leben, manche ziehen an uns vorbei und von wieder anderen müssen wir uns verabschieden. Doch jede einzelne Person mit der wir interagieren, wird uns in einer bestimmten Weise beeinflussen. Vielleicht im positiven oder negativen Sinne. Vielleicht überfällt uns eine emotionale Leere. Doch mit jeder Person, die in unser Leben tritt, bleibt auch eine Bereicherung zurück.

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