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Monat: Januar, 2013

Wenn ich groß bin werde ich Feuerwehrmann! – Müssen wir einen einzigen Beruf wählen und uns dann über diesen definieren?

Kleine Kinder werden nur zu oft gefragt, was sie einmal werden wollen. Meist wissen sie es in jungem Alter bereits und beantworten die Frage zum Beispiel mit „Feuerwehrmann!“. Diese Vorstellungen ändern sich später natürlich gewaltig. Einerseits, da dem späteren Jugendlichen das genaue Berufsbild vor Augen geführt wird und seine Vorstellungen nicht mehr mit diesem übereinstimmen, andererseits weil uns Möglichkeiten eröffnet werden, die uns im Kindesalter noch verborgen sind. Es wird eher rationaler überlegt für welchen beruflichen Werdegang man sich entscheiden will.

In unserer westlichen Gesellschaft definiert man sich hauptsächlich über seinen Beruf. Die Frage nach dem „Wer bin ich?“ ist an sich vollkommen irrelevant, denn der Beruf sagt vermeintlich alles über die Person aus. Es wird ein bestimmter beruflicher Weg eingeschlagen, welcher letztendlich zielstrebig verfolgt wird. Später kann man Aussagen über die eigene Person machen, die sich am ausgeübten Beruf orientieren.

Doch muss man sich wirklich in diese Schiene drücken lassen? Das Leben ist voll von Möglichkeiten. Unser Gehirn lässt uns die Möglichkeit des lebenslangen Lernens. Wäre es somit nicht viel sinnvoller und vor allem interessanter immer wieder Neues zu lernen? Sich immer wieder über neue Erfahrungen definieren und somit seinen Horizont und seine Fähigkeiten erweitern zu können, um somit die Frage nach dem „Wer bin ich wirklich?“ auch zufriedenstellend beantworten zu können?

Der indische Philosophieprofessor Osho beantwortet diese Fragen wie folgt:

„Das Leben sollte multidimensional sein, nur dann hat es Bedeutung. (…). Das ist auch so ein Problem: Jemand wird Ingenieur und denkt, damit sei alles geregelt. Er ist damit identifiziert Ingenieur zu sein. Dann wird er sein Leben lang nur Ingenieur sein – obwohl es Millionen von Dingen gibt, die er tun könnte, doch er fährt nur noch eingleisig. Dann wird er sich anfangen zu langweilen und es reicht ihm (…) was für ein Sinn kann darin liegen?“ OHSO, Kreativität; S. 228

Allerdings scheint es so, also müssten wir Spezialist auf einem bestimmten Fachgebiet werden. Schön und gut, natürlich kommt einem Unternehmen eher ein Spezialist zugute, als jemand mit zwar breitgefächertem Wissen und zahlreichen, aber oberflächlicheren Fähigkeiten. Doch würde Letzteres nicht nur den Vorteil eines breiteren Horizontes mit sich bringen, sondern auch mehr Kreativität, durch das Wissen um die Kombination vielfältigerer Faktoren zu individuellen Lösungsstrategien.

Der Mensch als Gewohnheitstier, sucht nach einem stabilen Arbeitsumfeld, findet im besten Falle ein Gebiet das ihn interessiert und wird Spezialist. In seinem Arbeitsumfeld bleibt er dann, nicht nur aus Gewohnheit, aber auch aus Angst vor Neuem, oder davor auf anderen Gebieten eventuell zu versagen. Somit bleibt ihm Vieles verschlossen, aber er hat auch kaum eine andere Wahl. Auf dem Arbeitsmarkt werden Spezialisten mit Arbeitserfahrung gesucht. Dennoch: Wie sollen diese wirklich kreativ sein und sich all ihrer Fähigkeiten bewusst werden? Mit einer 40-Stunden Woche, oder mehr bleibt nicht viel Zeit, sich wirklich auf andere Interessen zu konzentrieren. Wir werden letztendlich zu Fachidioten mit einem geradlinigen Lebenslauf.

Doch gerade ein Slalomlauf erlaubt uns, mehr über unsere Interessen und Fähigkeiten herauszufinden. Er erlaubt uns auszuprobieren und uns selbst kennenzulernen, um dann klar unsere Ziele definieren zu können, oder sogar unsere Interessen noch vielfältiger werden zu lassen. Jedoch gerade die Erwartung an uns, nur einen Weg einzuschlagen und diesen einen zu verfolgen, nimmt uns die Möglichkeit unsere Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Wir werden in eine berufliche Schiene gedrückt. Den Zug auf den wir gesprungen sind, verlassen wir dann selten wieder, denn wir definieren uns über unsere berufliche Laufbahn. Wir sehen uns konfrontiert mit zahlreichen Möglichkeiten, müssen uns aber doch für eine entscheiden.

Letztendlich ist es dann schwer zu sagen, ob wir den für uns wirklich wahren Weg eingeschlagen haben. Wir haben nur einen kennengelernt und gewöhnen uns schließlich insoweit an unsere Rolle, dass wir uns überhaupt keine andere mehr vorstellen können. Wir identifizieren uns über diese eine Rolle, wobei so viele mögliche Erfahrungen verloren gehen. Am Ende hätten wir dann doch einfach Feuerwehrmann werden können.

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Abschiede – wie die wachsende Oberflächlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen Erleichterung bringt

 

Abschiedsparties, Abschiedsessen, Abschiedsgeschenke, Abschiedskarten. Die Abschiede hören nicht auf. Sie werden immer häufiger und häufiger, allerdings auch von Mal zu Mal erträglicher. Aber warum?

Mit der voranschreitenden Globalisierung und den vielfältigen Möglichkeiten der kosmopolitischen mitzwanziger Generation stellen Auslandsaufenthalte keine Besonderheit mehr dar. Es wird durch die Welt gezogen mit dem ständigen Wunsch neue Erfahrungen zu sammeln, seinen Lebenslauf aufzupolieren oder einem verlockenden Jobangebot nachzugehen. Dieses Nomadenleben wird unterstrichen von einer Überflutung neuer Eindrücke und Bekanntschaften, die sich meist äußerst kurzlebig gestalten und schließlich nur als trauriger Nachlass in der Facebook-Freundesliste zurückbleiben.

Dank unserer schnelllebigen Gesellschaft ist es uns häufig überhaupt nicht mehr möglich tiefergehende zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Wir wissen eben doch tief in unserem Inneren, dass eine der beiden Parteien sich bald wieder auf den Weg in die große weite Welt machen wird und nun wieder einmal eine Abschiedsparty ansteht. Mit jedem Abschied wird es leichter, denn eine innige Beziehung zu der anderen Person wird selten noch zugelassen. Man weiß, dass man sich bestimmt sehr bald wieder auf eine neue, letztendlich belanglose Bekanntschaft einlassen wird.

Unser soziales Umfeld befindet sich in einem ständigen Wachstum, selbst wenn der Großteil desselben meist nur einen virtuellen Charakter annimmt. Durch neue Technologien können wir Kontakt mit Menschen auf der ganzen Welt knüpfen und halten. Dadurch schaffen wir uns somit schnell ein großes, virtuelles soziales Netz. Was Mark Zuckerberg noch ins Leben gerufen hatte um virtuelle Freundschaften zu schließen, da er keine realen hatte, ist mittlerweile Gang und Gäbe geworden. Aus diesem Grunde sind einerseits die Abschiede leichter, da man über das Internet in Kontakt bleiben kann, andererseits wird der Einzelne auch nicht mehr so wichtig genommen sondern taucht ab im Meer der vergessenen „Freunde“, die zu bloßen Facebook-Bekanntschaften geworden sind.

Am Ende lässt uns die Art der zwischenmenschlichen Kommunikation über das Internet, zwar mit vielen Bekanntschaften, aber wenig Freuden zurück. Dies vor allem auch, weil man nicht nur selbst weiß, dass man sehr schnell wieder einen neuen oberflächlichen Austausch mit einer Person eingeht, sondern auch der Gegenüber sich dessen bewusst ist. Daher wird dieser höchstwahrscheinlich auf die gleiche Weise handeln. Schließlich bleibt eine bestimmte innere Leere zurück, wenn man sich nach dem Abschied wieder vor seinen Computer begibt. Aber eben auch nur das, Leere. Denn emotional hatte man ja nie wirklich etwas investiert.

Somit treten neue Personen in unser Leben, manche ziehen an uns vorbei und von wieder anderen müssen wir uns verabschieden. Doch jede einzelne Person mit der wir interagieren, wird uns in einer bestimmten Weise beeinflussen. Vielleicht im positiven oder negativen Sinne. Vielleicht überfällt uns eine emotionale Leere. Doch mit jeder Person, die in unser Leben tritt, bleibt auch eine Bereicherung zurück.

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