Abschiede – wie die wachsende Oberflächlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen Erleichterung bringt

von annkatrindominikowski

 

Abschiedsparties, Abschiedsessen, Abschiedsgeschenke, Abschiedskarten. Die Abschiede hören nicht auf. Sie werden immer häufiger und häufiger, allerdings auch von Mal zu Mal erträglicher. Aber warum?

Mit der voranschreitenden Globalisierung und den vielfältigen Möglichkeiten der kosmopolitischen mitzwanziger Generation stellen Auslandsaufenthalte keine Besonderheit mehr dar. Es wird durch die Welt gezogen mit dem ständigen Wunsch neue Erfahrungen zu sammeln, seinen Lebenslauf aufzupolieren oder einem verlockenden Jobangebot nachzugehen. Dieses Nomadenleben wird unterstrichen von einer Überflutung neuer Eindrücke und Bekanntschaften, die sich meist äußerst kurzlebig gestalten und schließlich nur als trauriger Nachlass in der Facebook-Freundesliste zurückbleiben.

Dank unserer schnelllebigen Gesellschaft ist es uns häufig überhaupt nicht mehr möglich tiefergehende zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Wir wissen eben doch tief in unserem Inneren, dass eine der beiden Parteien sich bald wieder auf den Weg in die große weite Welt machen wird und nun wieder einmal eine Abschiedsparty ansteht. Mit jedem Abschied wird es leichter, denn eine innige Beziehung zu der anderen Person wird selten noch zugelassen. Man weiß, dass man sich bestimmt sehr bald wieder auf eine neue, letztendlich belanglose Bekanntschaft einlassen wird.

Unser soziales Umfeld befindet sich in einem ständigen Wachstum, selbst wenn der Großteil desselben meist nur einen virtuellen Charakter annimmt. Durch neue Technologien können wir Kontakt mit Menschen auf der ganzen Welt knüpfen und halten. Dadurch schaffen wir uns somit schnell ein großes, virtuelles soziales Netz. Was Mark Zuckerberg noch ins Leben gerufen hatte um virtuelle Freundschaften zu schließen, da er keine realen hatte, ist mittlerweile Gang und Gäbe geworden. Aus diesem Grunde sind einerseits die Abschiede leichter, da man über das Internet in Kontakt bleiben kann, andererseits wird der Einzelne auch nicht mehr so wichtig genommen sondern taucht ab im Meer der vergessenen „Freunde“, die zu bloßen Facebook-Bekanntschaften geworden sind.

Am Ende lässt uns die Art der zwischenmenschlichen Kommunikation über das Internet, zwar mit vielen Bekanntschaften, aber wenig Freuden zurück. Dies vor allem auch, weil man nicht nur selbst weiß, dass man sehr schnell wieder einen neuen oberflächlichen Austausch mit einer Person eingeht, sondern auch der Gegenüber sich dessen bewusst ist. Daher wird dieser höchstwahrscheinlich auf die gleiche Weise handeln. Schließlich bleibt eine bestimmte innere Leere zurück, wenn man sich nach dem Abschied wieder vor seinen Computer begibt. Aber eben auch nur das, Leere. Denn emotional hatte man ja nie wirklich etwas investiert.

Somit treten neue Personen in unser Leben, manche ziehen an uns vorbei und von wieder anderen müssen wir uns verabschieden. Doch jede einzelne Person mit der wir interagieren, wird uns in einer bestimmten Weise beeinflussen. Vielleicht im positiven oder negativen Sinne. Vielleicht überfällt uns eine emotionale Leere. Doch mit jeder Person, die in unser Leben tritt, bleibt auch eine Bereicherung zurück.

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